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Der Sinn des Lebens (Teil 2 von 3)

Das zweite Buch, das ich vorstellen möchte ist: Der Sinn des Lebensvon Terry Eagleton. Auch er ein Engländer wie Baggini. Baggini’s Buch ist 2004 erschienen, Eagleton’s ist von 2009.

Eagleton ist in seiner Ausführungen viel laxer und manchmal widersprüchlich. So beschreibt er Zeiten in denen es drunter und drüber geht als diejenigen, in denen man sich intensiv mit Gedanken zum Sinn des Lebens beschäftigt hat. Und im nächsten Satz mutmaßt er, dass Menschen, die sich selbst die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens nie stellen, dass im Leben eines solchen Menschen eine Menge von Bereichen gibt, in denen es nicht so gut läuft. Recht hat er, festzustellen, dass Menschen eher in Krisenzeiten über das Thema nachdenken und das die Selbstreflektion zwar notwendig wäre um vor kommenden Untiefen zu schützen, aber eben selten gemacht wird.

Eagleton stellt in seinem Buch eine vormoderne Zeit der heutigen postmodernen gegenüber. Moderne ist dabei quasi der Übergang aus einer Zeit die Eagleton eher idealisiert sieht. Danach beschäftigt sich das Buch im ersten Drittel mit einer Tirade auf die (heutige) Postmoderne. Dabei werden Phänomene der Zeit einfach aneindergereiht und durch die Wortwahl lächerlich gemacht. Dabei verdeutlicht Eagleton nichts. Es werden in diesem Buch Themen angerissen, aber dann nicht weitergedacht.

Natürlich kann man von einem Buch mit einem solchen Thema am Ende nicht eine klare Antwort erwarten. Aber nur Fragen aufzuwerfen hat mich beim Lesen ratlos hinterlassen. Mögllicherweise habe ich Bücher in der falschen Reihenfolge gelesen.

Der Sinn des Lebens (Teil 1 von 3)

Wow, was für eine Frage! Aber ich bin nicht so vermessen, dass ich das in zwei kurzen Blogs erledigen kann. Vielmehr möchte ich zwei Bücher zu diesem Thema beleuchten. In diesem Blog geht es um Der Sinn des Lebens: Philosophie im Alltag von Julian Baggini.

Mr. Baggini ist Philosoph und er dröselt das Thema sehr geschickt auf. Dabei arbeitet er mit einem Ausschlussverfahren. Zuerst schliesst er die Frage: Wo kommen wir her? als wenig hilfreich aus. Dann folgt natürlich die Frage nach einem Ziel, die auch nicht der Weisheit letzter Schluß ist. Dabei arbeitet Baggini mit einer sehr rationalen Logik und dabei kommt der Glaube wenig vorteilhaft rüber – in der Argumentation: Glaube ist nicht belegbar und birgt immer die Gefahr ein Fehlschluss zu sein. In diesem Sinne rüttelt das Buch an der Festung „Glaube“ ohne dabei eindeutig atheistisch zu sein. Für einen Agnostiker, wie mich ist das Buch eine gute Stütze, denn es verargumentiert, warum man sich mit dem Leben nach dem Tod gar nicht befassen sollte. (Reine rationale Argumentation: Glauben heisst nicht Wissen.)

Vielmehr geht es jetzt bei der Frage nach dem Sinn des Lebens um das Leben vor dem Tod.

Ab dem 4. Kapitel nimmt Baggini einige typische Antworten zum Thema Lebenssinn unter die Lupe. Dazu gehören der Altruismus (sein Lebensinhalt über die Hilfe für Andere zu definieren), das Wohl der Menschheit zu unterstützen (welches eigentlich?), das immer glückliche Leben oder die hedonistische Party-all-the-time Einstellung. Jeder einzelne Ansatz wird philosophisch, logisch zerlegt und bewertet. Dabei benutzt Baggini Beispiele aus dem Leben um seine Argumentation zu verdeutlichen. Das macht das Buch angenehm lesbar. Auch wenn das Buch ein gewisses intelektuelles Niveau voraussetzt ist für einen etwas humanistisch vorgebildeten Menschen gut zu lesen.

Bleibt natürlich die Frage, ob die Eingangsfrage beantwortet wird. Indem Baggini aus den unterschiedlichen Lebensinhaltsentwürfen immer einen guten Kern destilliert kommt er zu einer Art von Antwort. Die Antwort ist keine Handlungsanweisung, sondern besteht lediglich aus Hinweisen welche Komponenten wichtig sind für ein Leben, das der Einzelne dann für sich als Kochrezept für ein für ihn sinnvolles Leben nehmen kann. Und das macht das Buch so wertvoll zu lesen.

Achtung:

Baggini bezieht durchwegs eine rationalistisch, humanistische Position. Da bleibt kein Platz für Glaube oder Transzendenz. Und bei seinen Verallgemeinerungen bleibt manchmal die Argumentation auf der Strecke. Beispielsweise ist Christentum und Buddhismus für ihn unter dem Oberbegriff Religion subsummiert und weil er argumentativ die Risiken des christlichen Glaubens schon erwähnt hat ist die Beschäftigung mit dem Buddhismus nicht mehr notwendig. Mitgefangen – mitgehangen. Eine Religion durchgefallen, alle Religionen durchgefallen. Das erscheint mir etwas zu platt und mathematisch, logisch ist das falsch: wir können von „N“ auf „N+1“ schliessen – aber nicht von 1 (einem bewiesenen Satz).

Wer aber logisches Denken liebt und in die Philosphie mal reinschnuppern möchte findet hier ein exzellentes Buch, das einem selbst das Erkunden von so manchem Pfad bei der Frage nach dem Sinne des Lebens erspart.

Hier nochmal das Buch: Der Sinn des Lebens: Philosophie im Alltag von Julian Baggini.

Wer bin "ICH"?

Hier geht es nicht um das heitere Berufe raten. (Die Sendung übrigens hieß auch: Was bin ich? 🙂

Hier geht es um das ICH.

Was macht dieses ICH eigentlich aus? „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) – auf diese einfache Formel reduzierte Descartes (1596-1650) seine Überlegungen. Descartes reduziert das ICH also nur auf den denkenden Anteil am menschlichen Wesen.

Wenn wir sagen: „Heute bin ich viel gelaufen“ – denken wir bei dem ICH nicht auch an den ganzen Körper? Descartes hat dagegen argumentiert, dass er sich einen Finger abtrennen kann und das ICH bliebe erhalten.

Buddhisten halten das ICH nur für ein Konzept um eine künstliche Trennung zwischen den Anteilen, die souverän kontrollierbar erscheinen und dem Anderen zu markieren. Für einen Buddhisten gibt es kein ICH als eigenständige Entität.

Ich ist alles was für mich souverän kontrollierbar ist?

Aber lassen wir mal diese schwammige Definition des souverän kontrollierbaren ICH so stehen. Wie souverän sind wir denn mit unseren eigenen Werten?

Da fallen uns jetzt die Psychologen in den Rücken. Das Stichwort hierzu lautet „Priming“. Zur Erklärung ein beispielhafter Versuch: es wurden asiatisch-stämmige Frauen zu einem Mathe-Test eingeladen. Vor dem Test bekam eine Hälfte Fragen zum Thema Frau-sein gestellt. Das Vorurteil „Frauen sind nicht so gut in Mathe“ sollte damit in das Denken einschleichen. Die andere Gruppe wurde zum Asiatisch-sein befragt (Vorurteil: Asiaten sind gut in Mathe). Wir ahnen es schon: Im Mathe-Test waren die weiblich-vorprägten Asiaten schlechter als die asiatisch-motivierten Frauen.

Priming-Versuche zeigen, dass unser ICH nicht von uns innewohnenden, absoluten Werten gelenkt wird. Vielmehr agiert das ICH stark beeinflusst durch äußere Gegebenheiten. Dazu gibt es auch einen Artikel in der Gehirn&Geist , die diesen Aspekt nochmal verdeutlicht.

Wer bin „ICH“? Diese Frage kann ich hier nur offen lassen – schon bei einer solchen Frage entsteht eine riesige Diskussion. Wie mag das dann nur bei der Frage nach dem Sinn des Lebens sein?