Alle Beiträge von Ralph Machholz

Familientherapeut choached Firmenspitze!

Ein Therapeut(?) hat diese Woche (KW 39/2009) Schlagzeilen gemacht: In einer psycholytischen (?) Sitzung hat er vorgeblich bewusstseinserweiterende Drogen an seine Patienten (?) ausgegeben. Einer ist noch in der Praxis gestorben, ein zweiter im Krankenhaus, einer liegt derzeit noch auf Intensiv und 9 (plus dem Therapeuten (?)) haben überlebt. Scharlatane gibt es immer wieder und Menschen, die denen auf den Leim gehen wohl auch.

 

Eine andere Nachricht war versteckt in einem Interview mit Bernd Buchholz, Chef des Gruner+Jahr Verlages im DER SPIEGEL 39/2009 S. 164. Etwas belustigend befragten die Redakteure Herrn Buchholz nach einem Familientherapeuten, den er zur Lösung von Konflikten hinzuzieht.

SPIEGEL: Sitzen Sie dann mit Ihren Geschäftsführern auf Matten und beschweren sich darüber, dass die vielen Journalisten Ihres Hauses Sie nicht richtig lieb haben?
 

Buchholz: Und dazu werfen wir uns im Stuhlkreis Apfelsinen zu, klar. Aber mal im Ernst: Es kann sehr heilsam sein, in so einem Kreis über Verhaltensmuster und Wahrnehmungen zu sprechen.

Hut ab, Herr Buchholz. Statt Esoterik mal was Handfestes. Gerade im Eifer des Gefechts passieren viele unbeabsichtigte Verhaltensmuster und werden durch fehlende Wahrnehmung nicht erkannt. Und schon ist der Streit vorprogrammiert. Genau darum geht es in meinem „Gespräch in Form“ Ansatz.

 

 

 

Und so liegen mal wieder bekloppte (psycholytische?) und gute Ansätze in einer Woche dicht beieinander. Und was bekommt die meiste Aufmerksamkeit? Da muss man das Gute was passiert einfach nochmal im Blog aufgreifen.

In Würde alt werden oder besser jeden Tag so leben als wenn es der Letzte wär?

Heute war ich mal wieder bei meiner Schwiegermutter zu Besuch. Sie war gut drauf. Sie lachte viel und versuchte meine Frau zu „schiessen“. Vor lauter Lachen kam sie kaum dazu den Satz zu vollenden. Aber es ist nicht immer so. Altersdemenz und zuweilen auch Depression machen die Besuche nicht immer so leicht.

„Vielleicht sollte Sie jeden Tag so leben, als wenn’s der letzte wär.“ (Udo Lindenberg – Sie ist vierzig) Ist das ein Gegenkonzept zu dem „das kann ich später auch noch machen“ – oder sind wir dann zu sehr Genussmensch? Jeden Tag zu leben, als wenn es der letzte wäre ist ein Konzept, daß eine unmögliche Situation beschreibt. “ Denken Sie mal nach was Sie machen würden, wenn …“ – Na? Was machen Sie an diesem einem Tag? Mir würden viele Ideen kommen: Bergtour, Radeltour, ein gutes Essen, ein ausgiebiger Saunatag, usw. Eigentlich all die Dinge, die ich mir von Zeit zu Zeit gönne. Aber alles an einem Tag geht nicht. Und so eine unrealistische Prognose gibt es auch nicht. Also:

Warum machen wir diese Dinge nicht oder zu wenig? Weil wir uns viel zu selten in Erinnerung rufen, was uns Spaß macht. Aber dazu muß man nicht Aufhören zu Arbeiten. Man kann diese Erlebnisse (und macht es ja auch) immer wieder mal ausleben. Zuwenig? Dann ist aber selten Zeitmangel, sondern der Mangel an Wollen. „Go to the high places of your mind“ singt Van Morrisson. Lasst uns das doch machen – geradeso wie es meine Schwiegermutter heute gemacht hat.